Elektroauto fahren im Alltag – ein Fazit

Nach über 30.000 km mit einem Elektroauto masse ich mir an, einigermaßen fundierte Aussagen über die Alltagstauglichkeit und den Stand der Technik machen zu können.
Ich fahre mehrmals wöchentlich von Regensburg nach München.
Ich bin dreimal zu Urlaubsfahrten mit dem Elektroauto im Ausland gewesen.
Ich bin etliche unterschiedliche Elektroautos gefahren.
Mit dieser Erfahrung kann ich eines mit Gewissheit sagen:
 
Die Technik ist so weit!
Die zur Verfügung stehenden Autos sind vollkommen ausreichend für den täglichen Gebrauch der allermeisten Leute. Sie sind zuverlässig und wenn man nicht gerade einen BMW i3 oder einen Tesla haben will, sind die Fahrzeuge auch bezahlbar.
Die Akkukapazitäten reichen für die typischen Fahrten vollkommen aus.
Die Ladegeschwindigkeiten sind ebenfalls vollkommen akzeptabel.
Die Haltbarkeit der Akkus ist absolut ausreichend, ohne dass man sich hier ernsthaft Sorgen machen müsste.
Die Betriebskosten sind erfrischend niedrig.
 
Was jedoch nicht ausreichend ist, ist die Infrastruktur.
Wer keine eigene Infastruktur betreibt und mit dieser seine Bedürfnisse abdecken kann, ist auf öffentliche Ladesäulen angewiesen.
Und für nicht-Enthusiasten ist die aktuell zur Verfügung stehende Ladeinfrastruktur vollkommen unzureichend.
Es gibt viel zu wenig Destination Charger.
Es gibt zu wenig Redundanz bei den Schnellladern.
Die Zuverlässigkeit der Ladeinfrastruktur schwankt erheblich zwischen nahezu unbenutzbar und fast akzeptabel.
Das Servicelevel der Infrastruktur ist in den meisten Fällen unzureichend.
Zur Krönung ist die Usability der Infrastruktur inakzeptabel. Die Abrechnungssysteme sind fast ausnahmslos erbarmungswürdig und die Preise hochgradig undurchsichtig.
 
Eigentlich müsste man die Prämie für den Kauf eines Elektroautos sofort stoppen und das dafür verwendete Geld direkt in die Ladeinfrastruktur stecken.
Am besten um das Zehnfache aufgestockt.
 
Für Regensburg und die REWAG lässt sich sagen, dass die aufgebaute Infrastruktur allenfalls „nett“ ist und das absolute Minimum abdeckt, um überhaupt ein wenig Elektromobilität zu unterstützen. Das reicht, um ein paar Irre wie mich zum Umstieg zu bewegen.
Das reicht keinesfalls, um Otto Normalverbraucher zum Umstieg zu bewegen.
Und das reicht überhaupt nicht, um eine signifikante Wirkung zu entfalten.
Es gibt in Regensburg keine Destination Charger. Sie existieren einfach nicht.
Es gibt in Regensburg keine zuverlässig nutzbaren Ladesäulen. Ladesäulen sind entweder nicht in ausreichender Zahl vorhanden und daher regelmäßig so besetzt, dass man sich auf diese Ladesäulen nicht verlassen kann – oder sie sind gleich so zugeparkt, dass man sie gar nicht erst erreichen kann.
Es ist ein reines Lotteriespiel, ob man an einer der existierenden Ladesäulen wird laden können. Lediglich die „Gewinnchancen“ variieren je nach Standort zwischen niedrig (Ladesäule ist oft nicht verfügbar) und mäßig (Ladesäule ist immer mal wieder nicht verfügbar).
Wer auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen ist, kann momentan kein Elektroauto fahren, ohne ein gewisses, teilweise großes Maß an Leidensfähigkeit und Idealismus zu besitzen.
Und das liegt einzig und allein an der Infrastruktur, nicht an den verfügbaren Autos.
 
Ich habe gesehen, wie eine Infrastruktur aussehen muss, die für die Allgemeinheit nutzbar ist: Oslo und Amsterdam machen es vor.
Dort ist die Infrastruktur so weit ausgebaut, dass man als normaler Mensch problemlos ein Elektroauto fahren kann. Man muss nicht großartig planen sondern fährt einfach.
Davon sind wir meilenweit entfernt. Wir haben mehrere Jahre Rückstand.
Und das Schlimmste ist: Wir holen nicht auf, sondern fallen weiter zurück.

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